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Geschichte

Chronik der Gemeinde Löllbach

von Philipp Pitthan

9. LÖLLBACH IM AMT MEISENHEIM

Mit dem Einzug der franz. Revol.-Armee 1794 war eine völlige Neuordnung des gesamten linksrheinischen Raumes nach dem Muster der französischen Verwaltung verordnet worden. Unser Bergland zwischen Saar, Nahe und Glan deckte sich in etwa mit dem neuen „Departement Sarre“. Das „Arondissement“ Birkenfeld umfasste mehrere „Kantone“, auch den Kanton Meisenheim. Auf dem Rathaus wehte die blau-weiß-rote Tricolore. Dieser Kanton umfasste vier „Mairien“ (Bürgermeistereien), in der Spitze des Berglandes zwischen Nahe und Glan gelegen. Zur Mairie Meisenheim gehörten folgende Communen: Breitenheim, Jeckenbach, Löllbach, Schweinschied, Desloch, Lauschied, Abtweiler, Raumbach, Medard und Meisenheim selbst. - Seit diesem Verwaltungsakt ist Löllbachs Schicksal aufs engste mit dem Meisenheims verbunden geblieben. Die Abneigung in unseren Dörfern gegen die fremden Eindringlinge steigerte sich maßlos, als die Franzosen kurz und bündig wieder einen neuen Kaiser hochjubelten, den „empereur Napoleon“. Als aber junge Burschen unserer Dörfer auf seinen Kriegszügen, besonders im Eis und Schnee seines missglückten Russlandfeldzuges verbluteten und verdarben. da gab es nur noch Verwünschungen für die Franzosen. Aber erst in den Befreiungskriegen von 1812-15 wurde die Franzosenherrschaft hinweggefegt. Wir wissen nicht, wie viele Löllbacher an diesen Kriegen teilnahmen; wir wissen nur, dass ein junger Mann aus „Altshannese“, im heutigen „alten Pfarrhaus“ wohnhaft, nach mehreren Gefechten in Frankreich zuletzt auch an den entscheidenden Endschlachten bei Ligny und Belle Alliance teilnahm. Er blieb dann in den Niederlanden hängen, und heute ist einer seiner Nachkommen ein reicher Mann in Amsterdam. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde dann der „Kanton Meisenheim“ mit einer kleinen Erweiterung, das spätere „Oberamt Meisenheim“, dem kleinen Landgrafen von Hessen-Homburg zugesprochen. Der alte „Rohrhennerichsvetter“, den viele noch kannten, hatte als junger Soldat für ihn im Krieg gegen Dänemark 1884 mitgekämpft. Dann kam unser Oberamt 1866 durch Erbschaft an den Großherzog von Hessen-Darmstadt; nach dem Krieg zwischen Preußen und Österreich aber, also schon im gleichen Jahr, an Preußen, weil diesmal unser Löllbacher Krieger und sein neuer Großherzog unglücklicherweise auf der falschen Seite gefochten hatten. Aus dem „Oberamt“ aber wurde der preußische „Landkreis Meisenheim“. Damals sangen die Löllbacher Schulkinder: „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben? Die Fahne schwebt mir schwarz und weiß voran...“ Und auf dem Löllbacher Schulspeicher liegt heute noch eine schwarz und weiß geringelte Fahnenstange als Erinnerungsstück an diese und folgende „glorreiche preußische“ Jahre!

Die Löllbacher waren gerade zurecht gekommen, um als Preußen mit in den deutsch-franz. Krieg 1870 zu ziehen. Vier Löllbacher waren dabei. Ihre Namen in dekorativem Bilderrahmen hingen bis in die Dreißigerjahre an der Wand des alten Gemeindesälchens. Zeitlebens standen sie als Kriegsveteranen in Ansehen. Nach diesem Krieg kam endlich mehr Wohlstand unter die Leute, wohl infolge der aufkommenden Industrialisierung. Doch profitierten die Bauern von besseren Bodenerträgnissen durch die Einführung des Kunstdüngers von Prof. Liebig. Alle kleinen Scheuerchen im Dorf wurden damals aufgestockt. - Aber auch die wenigen Arbeiterfamilien des Dorfes profitierten nach und nach an den sozialen Errungenschaften, die die Gewerkschaften im Kampf mit den spätfeudalistischen Kräften für sie durchsetzten. Es waren „gute Zeiten“. Ein Glas Bier kostete 10 Pfg. damals, und in den Schulen sangen die Kinder: „Der Kaiser ist ein lieber Mann...“ Aber sie hätten das besser nicht gesungen!
Da flammte 1914 der erste Weltkrieg auf. Die vielen Namen auf dem Löllbacher Kriegerdenkmal verraten dem Nachdenklichen, wie viel Schmerzen, Sorgen, Tränen damals den Menschen aufgeladen wurden Der Versailler Friedensvertrag von 1919 mit den überstarken Belastungen des deutschen Volkes weckte Groll; manchmal auch Rachegefühle. Als die Not allgemeiner Arbeitslosigkeit hinzukam, brauchte Hitler die Glut nur anzublasen. Im Kaiserreich waren die Menschen zu blindem Nationalismus hin erzogen worden. Man meinte, jeder, der nationale Reden führe, sei auch ein edler Mensch. Kein Wunder, dass Hitler überall in Deutschland seine Anhänger fand, auch in unseren Dörfern. Seine Versprechungen wurden geglaubt, seine -Vorhaben und seine Gesetze - bis zum Ermächtigungsgesetz und zu den Rassengesetzen - blind hingenommen. Wer wusste damals auch von Weltbürgertum und Menschenrechten? Die Weimarer Republik hatte keine Begriffe echt demokratischen Lebens vermitteln können. Hier sei nur kurz vermerkt, dass 1932 der „Landkreis Meisenheim“, ob wohl er finanziell und leistungsmäßig sehr gesund und lebensfähig war, aufgelöst und dem Kreis Kreuznach eingegliedert wurde. Ein schwerer Verlust für unsere Gegend!
Das deutsche Volk erarbeitete unter Hitler produktive Werte, und „ganz unter der Hand“ rüstete Hitler auf. Auch das Landvolk leistete seinen Anteil, indem es mit der „Erzeugungsschlacht“ die landwirtschaftliche Produktion erhöhte allerdings ohne Hitlers Marschrichtung zu kennen. Da entbrannte 1939 der zweite Weltkrieg! Er verlangte noch größere Opfer als der vorausgegangene, auch von den Menschen unseres Dorfes. Wieder mussten Männer aller Altersklassen - diesmal vom zarten Knabenalter bis zum Stand des älteren Familienvaters - ihr Leben dahin- geben. - Bei dem furchtbaren Zusammenbruch war alles gute Ansehen der Deutschen in der Welt vertan! Und - der Deutsche selbst empfand mit Abscheu den Tiefstand seines Volkes im materiellen und moralischen Sinne. So tief war Deutschland noch nie gesunken! Nach langer, oft unsagbar schwerer Gefangenschaft kamen die Männer, die noch am Leben geblieben waren, in die Heimat. In verbissener Wut schafften sie aus den Trümmern ein neues Deutschland. Das Landvolk hat an diesen Leistungen der Nachkriegszeit den gleichen Anteil aufzuzeigen, wie der Industriearbeiter. - Und dieses Deutschland hat sich seit 1945 ernstlich bemüht, ein wirklich demokratischer Staat in der Gemeinschaft der Völker zu werden. Möge nie wieder eine Parteienhierarchie die Herrschaft über das Volk erringen; sie möge herkommen, woher sie auch wolle! Demokratie als Staat für alle muss uns über alle Gruppeninteressen gehen, denn das gewachsene Volkstum allein kann die Grundlage des Staates sein. Wie haben genug von dem Dünkel der „Partei als Elite des Staates“! Neuerungen im Leben des Dorfes bedeuteten zunächst die Mechanisierung der Landwirtschaft; sodann die starke Verkehrsverbesserung durch Bus und Pkw. - In letzter Zeit wurde für die Kinder der Oberklassen die Hauptschule in Meisenheim eingeführt. Eine bessere Bildung und Ausbildung sollte gewährleistet sein. Genau so wichtig aber ist eine Anleitung zum Hineinwachsen in die Gemeinschaften. Dazu braucht man aber Eltern und Lehrer, die selbst Anteil nehmen am Leben dieser Gemeinschaften. Wenn die im Gange befindliche Verwaltungsreform neue Wirtschafts- und Lebensformen bereitstellen will, müssen die Dörfer mit ihrem Mittelpunkt Meisenheim zu einer lebendigen „Region“ zusammenwachsen. Das alte Wort „Stadt und Land, Hand in Hand“ muss wieder zum Leben erweckt werden. Die Grundlage der „Region“ aber ist die Schaffung der Lebensmöglichkeiten für die von der Scholle noch freiwerdenden Landbewohner. Kleine Industrieeinheiten müssen herbei! Andernfalls machen wir nur unsere Jugend „fit“ zur Abwanderung in die Ballungsgebiete. Eine totale Entvölkerung - eine Landflucht wie noch nie - wäre die unaufhaltbare Folge für unsere Heimat, für Dörfer und Städtchen.
Dass gleichzeitig in solch prekärer Lage die christliche Unterweisung wegen des Pfarrermangels zurückgeht, dass viele Pfarrstellen eingehen werden, könnte der seelischen Verarmung unserer Dörfer Vorschub leisten.
Der Gefahren sind genug vorhanden! - Möchten verantwortungsbewusste Menschen die Aufgaben dieser Zeit mit festem Willen aufgreifen!

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