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Geschichte

Chronik der Gemeinde Löllbach

von Philipp Pitthan

7. ABGABEN UND FRONDEN.

Die Grafen oder ihre Lehnsträger zogen nun über den Schultheisen und mithilfe ihrer Vögte die von den Bauern geschuldeten Abgaben ein. Sie waren z. T. für sie selbst, z. T. aber für den Lehnsherren, den Wildgrafen, bestimmt. Man könnte bei diesen Abgaben also von den Steuern der damaligen Zeit sprechen. Die gewichtigste war „der große Zehnt“. Der Vogt des Ritters kam zu Pferd aufs Feld und legte jeweils die beste von zehn Garben zur Seite für den Herrn. Alle übrigen Verpflichtungen waren im „Weistum“ der Gemeinde von alters her festgelegt. Sie wurden jährlich am Neujahrstag, dem „Dingtag“, verlesen. Alles brauchte die Herrschaft, vom Heu für die Pferde bis zum Honig für den Tisch und Bienenwachs für Kerzenbeleuchtung. Dass auch Gänsefedern, Flachs und fertiges Leinen gebraucht wurden, versteht sich von selbst, auch Eier, fette Gänse (Martinsgänse) und Fastnachtshühner, Speckseiten und Räucherfleisch - alles zu bestimmten Tagen über das Jahr hin verteilt zu liefern.

Die Zehntscheunen des Herren mit Kellern und Speicherräumen sind den alten Löllbachern noch bekannt gewesen. Eine stand im heutigen Garten des Karl Herrmann. Sie reichte wohl über den jetzigen Schweinschieder Weg hinüber, denn hinter dem gemeindeeigenen Denkmalsplatz steht heute noch ein Keller/Speicher aus Kyrburger Besitz. Die andere Zehntscheune stand im kleinen Vorgarten der Familie Paulus, vor den Schulfenstern gelegen. Auch sie wird größere Ausmaße gehabt haben. Der kleine Zehnt (kleinere Abgabe) war z.B. gelegentlich einer Hochzeit zu entrichten; nach dem Tod eines Familienvorstandes war das sog. „Besthaupt“ fällig, d. h. dass die Erben das beste Haupt aus dem Stalle, also je nach Vermögen das wertvollste Stück Vieh abzugeben hatten. Es soll nicht verhohlen werden, dass nicht immer auf der genauen Einhaltung der Taxe bestanden wurde. Es sind Fälle bekannt, wo verständige Herren bei besonderer Lage mit Güte und Nachsicht für die Bedrückten eintraten. Für die Überwachung und richtige Handhabung nach den Sätzen des Weistums war der Schultheis zuständig. Darüber wachte die Oberamtsverwaltung in Kirn. Seine jährliche Besoldung betrug 12 Gulden, 5 Albus, 8 Malter Korn, drei Malter Hafer, ferner wurde ihm Personal- und Realfreiheit gewährt. Waren die Abgaben vielseitig und hoch, drückender waren die ebenfalls im „Weistum“ genau festgelegten Fronden.
Auf dem „Herrenwasem“ weidete des Herren Viehherde. Teile dieser Flur wurden auch ackerbaumäßig bestellt. Der Ertrag war dem Herren, aber die Arbeit leistete der Bauer in der Fron; dasselbe gilt vom „Herrenberg“, des Herren Weinbergsgelände. Alle Feld- und Wingertsarbeit wurde in der Fron getan, auf Bestellung und mit Überwachung des Vogts. Im „Lellbach“er Tälchen bezeichnet der „Weijerech“ (eigentlich Weiher-Rech) die Stelle, wo ein oder mehrere Weiher lagen. Die Bezeichnung hat also mit „weihen“ oder „geweihter Rech“ nichts zu tun, wie oft irrtümlich angenommen wird. Man braucht sich nur das Gelände einmal richtig anzusehen, um deutlich zu erkennen, wo heute mit Leichtigkeit der Teich wieder anzulegen möglich wäre. Dort im Weiher wurden des Herren Karpfen groß. Und zur Fastenzeit wurde der Weiher ausgefischt für des Herren Tafel zu decken. Auch diese Arbeit und alle anderen am Fischteich geschahen in der Fron. Dass dann auch mancher Karpfen auf dem Bauerntisch landete, werden Vogt und Graf wohl auch geahnt haben.
Natürlich ging Herrenfron vor eigene Feldarbeit, sodass die eigene Ernte oft verregnete oder bei Verzögerung „aus den Körnern fiel“. Die Beköstigung der Fronenden und ihr Getränk waren vielfach auch im Weistum bestimmt. Wer baute des Herren Burg aus, wer reparierte Mauern und Wege, wer fuhr die Steine herzu, wer fuhr den Zehnt per Achse zur Kyrburg, wer stellte die jungen Knechte und Mägde zur Arbeit auf der Burg, wer machte des Herren Botengänge von Burg zu Burg? Alles die Bauern in der Fron oder ihre Söhne und Töchter. Alles in der Fron!

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