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Geschichte

Chronik der Gemeinde Löllbach

von Philipp Pitthan

4. LÖLLBACH UNTER DER HERRSCHAFT DER WILDGRAFEN

Unser Dorf Löllbach trat erst mit dem Jahre 1319 ins „Licht der Geschichte“ In einer Urkunde des Hochgerichts auf der Heide wird das Dorf ,,Leubilbach" erstmalig erwähnt. (Westd. Zeitschr. 24, S.113). Zu diesem Hochgericht gehörte es im ganzen Mittelalter. Gerichtsherren waren die Wildgrafen. Ein Hochgerichtsbezirk entsprach in etwa dem Siedlungsraum einer fränkischen „Hundertschaft“. Das Hochgericht auf der Heide umfasste nach seinen in vielen Weistümern bezeichneten Grenzen auch das ganze Gebiet der Winterhauch zwischen Nahe und Glan. Die Grenze verlief (lt. Schnepp: Der Nahegau): Von Oberstein die Nahe abwärts bis Hachenfels (1075 genannt), von hier über Otzweiler nach Hundsbach, Schweinschied, Löllbach, Udencappeln, Grumbach bis Lauterecken am Glan.
Von hier aus bildete der Glan die Grenze bis zum Einfluss der Steinalb. Dieser Bach bildete dann aufwärts die Grenze gegen das Hochgericht Baumholder hin und geht bei Breungenborn in die (früher beschriebene) Nahegaugrenze über, mit der sie bis nach Oberstein zusammenläuft. Das ganze Hochgericht Sien a.d. Heide umfasste 50 Ortschaften mit einem Areal von 18041 ha. (Fabricius, Das Hochgericht auf der Heide). Löllbach gehörte mit Schweinschied und einem Teil von Sien samt den Höfen zum wildgräflich-kyrburgischen Amtsbezirk Sien-Löllbach. Zeitweise begleitete ein Löllbacher die Stelle des Amtsschultheisen, wie der in die Kirchenmauer eingebaute Grabstein des Amtsschultheisen Johann Ludwig Meurer beweist.
Folgen wir nun aber wieder den geschichtlichen Quellen: Im 14. Jahrhundert kauften die Wildgrafen von Kyrburg den einen Teil des Dorfes (den sie wohl vorher aus irgendwelchen Gründen veräußert hatten) von einer Ritterfamilie Frey in Oberwesel zurück.
Es handelt sich um den größeren nördlich gelegenen Ortsteil „mit der Kapelle“. Bald danach aber verleihen sie einen Teil der Häuser dieses Ortsteiles dem Zymar von Sponheim, genannt Mandel, wohl weil er auch Lehnsträger des Dorfes „Mannendal“ (Mandel bei Kreuznach), war, das den Rittern von Bolanden gehörte. Die übrigen Häuser dieses Ortsteils gaben sie dann einem Mulenstein von Grumbach zu Lehen, der wohl beim Wildgrafen von Grumbach in Diensten stand. Von 1515 an aber war dieser ganze Ortsteil wieder unter wildgräflicher Verwaltung. Ganz anders verhielt es sich mit dem südöstlichen Teil des Dorfes, mit den Häusern rechts der Bäche. Sie gehörten im 14. Jahrhundert zum Amt Naumburg bei Becherbach. Erst 1757 ging auch diese „Pfälzische Seite“ an die Wild- und Rheingrafen von Salm-Kyrburg über. (W. Zimmermann, Die Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach) Demnach war Löllbach mit dem Großteil seiner Gehöfte fast während des ganzen Mittelalters mit dem Schicksal der Wildgrafschaft Kyrburg verbunden. Bei unseren zersplitterten Territorialverhältnissen ist das wohl selten vorgekommen.

Auch im letzten Jahrhundert der wildgräflichen Regierung, im 18. Jh., hatten die Kyrburger Ämter und damit auch das Dorf Löllbach, große Not auszustehen. Wieder brachten Kriege, der Span. Erbfolgekrieg 1701-14 und der Poln. Erbfolgekrieg 1733-38 Drangsale. Jedes Mal waren die Franzosen im Land, verlangten Kontributionen, zogen durch die Gegend und fraßen die Häuser leer.
Ein bedeutendes Ereignis für die Grafschaft trat ein, als die Franzosen 1734 die Zerstörung der Kyrburg verlangten. Sie fürchteten, dass sie einmal ihren Feinden dienlich werden könnten. Juni/Juli 1734 fiel sie in Schutt und Trümmer.
Wie alle deutschen Fürsten waren auch die Wildgrafen angesteckt von einem unbändigen Hang für die französische Mode und Lebensweise. Viele von ihnen lebten meist in Paris und überließen ihren Beamten die Regierung. Diese aber hatten ihre liebe Not, die „Parvenus“ mit genügend Geld zu versorgen. Und all das spielte sich auf dem Buckel der armen Leute ab! Sie hatten auch aufzubringen, was die prunkvollen Bauten nach französischem Muster verschlangen, z.B. die neuen Schlösser in Dhaun, Kirn und anderswo!
Eine rühmliche Ausnahme unter den Herren der Wildgrafschaft bildete Fürst Johann Albert Dominik von Salm-Kyrburg, der als sparsamer fürsorglicher Hausvater vom Volk in Stadt und Land hochverehrt wurde. Sein Neffe Friedrich aber, ein toller Geck, lebte fast nur an französischen Höfen. Kein Wunder, dass ihn die französische Revolution in den Strudel der Volksempörung hineinriss. Er starb am 20. Juli 1794 unter der Guillotine.
Ab 1793 waren die Franzosen wieder im Land! Diesmal waren es die Truppen der Revolution. Sie gaben an, die armen Deutschen mit den Errungenschaften ihrer Revolution beglücken zu wollen; mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Die Leibeigenschaft, die vorher schon gemildert worden war, hörte zwar auf. Auch war es gut, dass die Feudalherrschaft der immer noch absolut herrschenden Fürsten ins Wanken kam. Aber das Glück, das die Franzosen zu bringen versprachen, sah nicht viel anders aus als das, welches die Menschen vonseiten der Fürsten genossen hatten.
Auch die Revolutionstruppen brauchten ungeheuere Mittel zu ihrer Unterhaltung. Die ohne Mithilfe des Volkes in Kirn, Sobernheim, Meisenheim und anderen Orten gepflanzten „Freiheitsbäume“ konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass man nur eine Last gegen eine andere ausgetauscht hatte.
Im Frieden von Campo Formio am 17. Okt. 1797 hatte der Kaiser im Namen seines Landes Österreich Frankreich in einem geheimen Artikel das linke Rheinufer zugestanden. Systematisch besetzten die Franzosen die von den Österreichern geräumten Gebiete. Ihr Ziel war erreicht: Der Rhein, die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Der Organisations-Commissär Rudler erließ am 7. März 1798 eine Proklamation, wo durch er das Fürstentum Salm-Kirburg, die alte Wildgrafschaft, der französischen Republik für einverleibt erklärte.

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